Mit Theatermethoden eigene Stärken entdecken

Bei der Veranstaltung des Instituts für Kunst und Wirtschaft im Uhrenmuseum fand in der Diskussion die Wortmeldung von Jörg Schielin, dem Leiter der SPAR Akademie Wien, besondere Aufmerksamkeit. Es ging gerade um die Motive von Unternehmen, Künstler für die Personalentwicklung einzusetzen. Benutzt die „böse“ Wirtschaft die Kunst bloß? Geht es darum, die MitarbeiterInnen so „herzurichten“ wie man sie braucht?

Herr Schielin widersprach leidenschaftlich: „Wir machen das nicht um Defizite auszubessern. Unser Schulsystem fokussiert leider auf das, was die Schülerinnen und Schüler nicht können. Wir wollen diesen jungen Menschen zeigen was sie können, wozu sie fähig sind, und sie genau in diesen Fähigkeiten weiter entwickeln. Mit Kunst zeigen wir ihnen meist eine Welt, die sie nicht kennen. Wir besuchen mit den Lehrlingen zum Beispiel auch Museen und kulturelle Veranstaltungen. 50 % der Jugendlichen waren noch nie in einem Theater – das war ein Aha-Erlebnis für uns. Unserer Meinung gehört das zur ganzheitlichen Bildung, doch leider wird der Schulunterricht in kreativen Fächern permanent gekürzt.“

„Kulturpflege – Multikulturelles Lernen“ gibt es in der SPAR Akademie Wien schon lange. Hier wird Sozialkompetenz, Zivilcourage und Toleranz vermittelt. Im September 2010 entwickelte Jörg Schielin mit Max Friedrichs vom Verein Schule für das Leben die Idee für ein Experiment, das wissenschaftlich begleitet wurde. 40 Lehrlinge nahmen neben ihrer Ausbildung an einem Theaterprojekt teil, die Kontrollgruppe mit ebenfalls 40 Lehrlingen durchlief nur die traditionelle Ausbildung.

Fotos: SparAkademie

Fotos: SparAkademie/Lukas Beck
Fotos:SparAkademie/Lukas Beck

Im Juni 2011 lag die Auswertung vor. Die Ergebnisse waren eindeutig. Das Sozialverhalten hatte sich verbessert, Lehrlinge, die Theater gespielt hatten, agierten selbstsicherer, zeigten mehr beruflichen Ehrgeiz und Zufriedenheit. Jörg Schielin: „Der Nutzen ist zum Teil sofort spürbar, bei anderen dauert es ein wenig, aber spurlos geht es an niemandem vorbei, bei jedem ist ein Persönlichkeitsschub spürbar.“

Derzeit werden Module konzipiert, die als fixer Bestandteil der Lehrlingsausbildung implementiert werden. Ab Herbst gibt es für alle Lehrlinge des 1. Jahrgangs Workshops mit KünstlerInnen über Wahrnehmung, Sprechen, Improvisation, Musik & Rhythmus sowie einen Theaterworkshop.

Auf meine Frage, ob Kunst auch im Training für die Führungskräfte eingesetzt wird, bekomme ich noch ein „nein“, allerdings meint Jörg Schielin, hier behutsam vorgehen zu müssen, es sei doch etwas Exotisches. Allerdings ist er sich sicher „dass nur wenige Führungskräfte sich getraut hätten sich auf die Bühne vor 450 Leuten zu stellen und Theater zu spielen.“

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Die Wirkung von Kunst bei Unternehmen und MitarbeiterInnen

Unsere Erfahrung, welchen Nutzen Kunst in Organisationen haben kann, wird in der Disseration von Claudia Schnugg von bestätigt, die für ihre Arbeit an der Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Organisation,  70 Fallbeispiele analysierte. Im Kapitel „Wirkungen“ reiht sie die Aussagen nach der Häufigkeit der Nennungen:

Foto: © Renée Del Missier / www.reneedelmissier.com

Anzahl   Wirkung bei Unternehmen und MitarbeiterInnen
19          Unternehmenskommunikation wird verbessert
10          Diskussionskultur und kreativer Dialog wird angeregt
9            Imageaufbau des Unternehmens
9            Selbstreflexion wird gefördert
9            Routinen werden hinterfragt
9            Corporate Identity wird nach innen und außen kommuniziert
8            Beiträge zur Organisationskulturentwicklung
8            Persönlichkeitsentwicklung wird gefördert
8            Wahrnehmung wird geschärft und reflektiert
7            Atmosphäre der Offenheit und Kreativität wird gestaltet

Zusammengefasst gab es die größte Zahl an Nennungen sowohl auf der individuellen als auch der Organisationsebene bei Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung, gefolgt von Sozialem Verhalten, Wirkung auf Marketing und PR und Unternehmenserfolg. Bei der persönlichen Charakter- und Kompetenzentwicklung wurden u.a. Selbsterfahrung, eigene Meinung vertreten lernen, Verhaltensänderung durch Selbstreflexion, Denkblockaden lösen, Wahrnehmung schärfen, Lernen genau hinzuhören und hinzusehen, offener gegenüber Neuem werden, Perspektiven anderer einnehmen, eigeninitiativ Handeln, Kreativität steigern und Teamentwicklung genannt.

Beim Input zur Organisationsentwicklung durch Kunst und KünstlerInnen waren es Statements wie Identifikation mit Problemen, Abläufe erkennen, externe Sichtweise als Beitrag zur OE, künstlerischer Prozess als Modell für Arbeitsabläufe, Arbeitsfreude und Motivation steigern, positives Arbeitsklima gestalten.

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Kann man das Ergebnis künstlerischer Interventionen messen?

Das kommt mir bekannt vor. Das gleiche Legitimationsproblem haben Trainings und Beratungen. Wie messen Sie den Erfolg eines dreitägigen Führungskräftetrainings? Das Bedürfnis den Nutzen von Investitionen in Personal- und Organisationsentwicklung quantitativ zu messen, gibt es seit langem. Auch bei den Berichten über Projekte mit KünstlerInnen finden sich Angaben wie zb 20% Steigerung des Umsatzes, oder 30 % Reduktion der Fluktuation. Nachdem die meisten Change-Projekte über einen längeren Zeitraum laufen und gleichzeitig andere Maßnahmen im Unternehmen den Erfolg beeinflussen, stehe ich solchen Angaben eher skeptisch gegenüber. Viel mehr überzeugen mich die positiven Schilderungen von Menschen, die künstlerische Interventionen selbst erlebt haben. Daraus geht hervor, dass sie

–         Selbstvertrauen und Freude an der Arbeit gewonnen haben
–         mit anderen offener und positiver gestimmt zusammenarbeiten
–         durch Experimente neues Wissen in einer neuen Art entwickeln konnten
–         verborgene Fähigkeiten in sich entdeckten
–         Mut gefunden haben Neues auszuprobieren woran sie bisher überhaupt nicht dachten
–         von anderen nun als eine vielseitige Persönlichkeit gesehen werden

Die Wirkung spiegelt sich also in einer persönlichen Entwicklung und der Mitarbeiterzufriedenheit. In den Erzählungen wird immer wieder von einem Energieschub berichtet, der sich positiv auf Teamarbeit, auf die gesamte Unternehmenskultur und damit auch auf die Ziele der Organisation auswirkte. Die direkte und erfrischende Herangehensweise der KünstlerInnen an die Situationen, ihre Offenheit und so ganz  andere Art der Kommunikation sprachen alle Sinne an und halfen, die Trägheit eingespielter Routinen zu überwinden.

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Kunst + Wirtschaft = ?

Sind eins! Nein, sind zwei Welten! Können sich befruchten, aber der Unterschied muss bestehen bleiben!

Bei unserer Diskussionsrunde am 15.3.12 im Uhrenmuseum waren beide „Welten“ vertreten und auch emotional spürbar, schon nach den ersten Wortmeldungen. Unterschiedlichen Meinungen von Managern und Beratern einerseits und KünsterlerInnen andererseits hätten uns nicht erstaunt, die Differenzen gab es aber auch innerhalb dieser Welten.

Ist der Künstler ein Dienstleister wenn er/sie für ein Unternehmen arbeitet? Ja! Nein! Was ist mit dem künstlerischen Anspruch – der ist wirtschaftlich doch nicht argumentierbar? Wo bleibt die Freiheit der Kunst? Haben Künstler Angst vereinnahmt zu werden?

Macht es einen Unterschied ob Berater analoge Interventionen einsetzen oder KünstlerInnen mit künstlerischen Interventionen arbeiten? Nein! Doch, einen großen! Liegt er in der Nachhaltigkeit? Achtet der Künstler auch auf die Umsetzung? Wie werden Irritationen bearbeitet? Brauchen Künstler Berater-Knowhow oder ist das kontraproduktiv?

Einig war man sich darin, dass es für eine künstlerische Intervention eine offene Kultur im Unternehmen braucht, die Rollen geklärt und die KünstlerInnen in einen Beratungsprozess eingebettet sein müssen.

Das Ergebnis des Abends: viele spannende Fragen, großes Interesse und der Wunsch nach Best Practice Beispielen. Die geben Sicherheit bei diesem neuen Thema.

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Wie klingt die Börse?

Dienstag, der 31. Jänner. Ein Morgen wie viele andere. Frühstück und Lektüre der Tageszeitung. Und obwohl ich die drei Seiten im Wirtschaftsteil mit den endlosen Kolonnen von Börsenkursen täglich überblättere, fallen sie mir heute besonders auf. Ich nehme bewusst den Gegensatz zwischen der rationalen Auflistung der Zahlen und den Bildern wahr, die mir das Fernsehen vom Börsenparkett liefert: hektisches Treiben, wildes Gestikulieren, verzweifelte Gesichter, lautes Schreien. Was hat meine Wahrnehmung verändert?

©Renée Del Missier / www.reneedelmissier.com

Im Kulturmontag in ORF2 gestern abend in den „Artgenossen“ portraitierte Piroschka Dossi den italienischen Komponisten Fabio Ciffariello Ciardi. Er setzt die Kursbewegungen an der Börse in Echtzeit in Klänge um, versucht verborgene Muster zu finden, die Komplexität akustisch darzustellen. Der Strom an Informationen, die Dynamik der Finanzmärkte wird in Klang übersetzt. Das Ergebnis: ein elektronischer Rausch aus Spitzentönen, das Abstrakte wird plötzlich hör- und fühlbar. So hört sich die Börse an. Ciardi bringt die verborgene Emotionalität der Börse zum Klingen, die sonst nur aus Zahlenkolonnen besteht. Er verwandelt Bewegung des Marktes in Sound. Es ist eine Reise in eine andere Dimension.

Piroschka Dossi: „Durch Kunst kann man erkennen was sich hinter der Realität verbirgt. Was normalerweise im Strom unablässiger Information, die hinter uns liegt, untergeht. Zu dieser Komplexität kann Kunst eine interessante Alternative bieten, um Ereignisse und Phänomene sichtbar zu machen, die unser Leben nachhaltig beeinflussen.“

Wie klingt Ihr Unternehmen?

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Dialog: KulturWirtschaft

BarCamp am 7.9.2011 im Nordkolleg Rendsburg

Regionen nachhaltig zu stärken ist das Credo europaweiter Initiativen. Wie das durch die Zusammenarbeit von Kultur, Wirtschaft und Politik gelingen kann, zeigt das Nordkolleg Rendsburg mit innovativen Beispielen und dem konstruktiven Dialog von Menschen aus verschiedensten Disziplinen. Das aktive Mitmach-Format der Veranstaltung, ein BarCamp, erforderte und unterstützte gleichzeitig die Haltung der TeilnehmerInnen: offen, neugierig, gesprächsbereit.

Dazu das Video  [youtube=http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=YlX-2jYWsxI]

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