Künstlerischer Störfaktor

Warum die Robert Bosch GmbH die 12. Etage des Forschungsgebäudes zum Experimentierraum erklärte

Das Zentrum für Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH wurde 2015 errichtet. Rund 1700 MitarbeiterInnen arbeiten am Standort Renningen, etwa eine Stunde von Stuttgart entfernt daran, „Antworten auf die Fragen von übermorgen zu finden“.

Da gibt es Labors und Kommunikationsbereiche, ein Smart Life Lab, das Robotik Forschungslabor, ein Erprobungsgelände für Automobilsysteme und und und … hier ein Einblick    

Foto © kreativ-bund.de
In welchen Umgebungen finden kreative Prozesse im 21. Jahrhundert statt?

Das aus unserem Blickwinkel interessanteste Stockwerk ist das oberste, in dem sich der Experimentierraum „Platform 12“ befindet. Die Platform 12 ist eine Kooperation der Robert Bosch GmbH, der Akademie Schloss Solitude und des Künstlerduos Wimmelforschung.*) Auf rund 1000 m2 können die MitarbeiterInnen zehn Prozent ihrer Arbeitszeit als sogenannte „Concept Time“ frei verbringen. Sie tauschen sich hier mit KollegInnen aus anderen Abteilungen aus um Synergien zu finden und nutzen die Ausstattung des Raumes für eigene Projekte.

Inspirationsquelle für nachhaltigen Wandel
Foto © olaf_bach_lecture03

Welche Fragen stellen sich Forscher hinsichtlich der Zukunft? Und: Welche Fragen stellen sich Künstler?

Das Konzept der Platform 12 wurde von den Wimmelforschern Maren Geers (Darstellende Künstlerin) und Thomas Drescher (Bühnenbildner) und der Innovationsmanagerin von Bosch, Birgit Thoben, entwickelt.

Maren Geers & Thomas Drescher Foto © wp.de

Neben der Raumgestaltung und künstlerischen – auch provozierenden – Ausstattungselementen ist die ständige Anwesenheit des „künstlerischen Agenten“ entscheidend. Die Auswahl der Künstler erfolgt über die Ausschreibung eines Stipendiums der Akademie Solitude. Der Künstler, die Künstlerin beobachtet, irritiert, gibt Impulse, interagiert, öffnet das Denken. Ein künstlerischer Störfaktor, der indirekt einen Mehrwert für den Konzern generiert?

Bosch ist ein sehr alter, eher traditioneller Weltkonzern. Klassisches Ingenieursdenken führt zu erwartbaren Innovationen. Wie kommt man auf wirklich völlig Neues? Welches Maß an Chaos und Offenheit ist nötig?


Platz zum Suchen nicht zum Finden! Foto © ulli_hoffmann

„Emotional geht man in diesen Raum, wenn man nicht weiß was man sucht. Dort wo man Ideen kreieren kann oder auf der Suche nach etwas Neuem, das man weder kennt noch weiß wie es sich entwickelt.“ Birgit Thoben

Birgit Thoben Foto © Akademie Schloß Solitude

Dialog zwischen Forschern und Künstlern

Der Nutzen für die Forscherinnen und Forscher liegt darin, dass sie durch diesen Freiraum die Möglichkeit haben, in eine andere Welt jenseits der gewohnten Ordnung und Routine einzutauchen. Freiheit, Weitblick, Nonlinearität, Grenzen überschreiten, ständige Veränderung prägen den Raum.

Foto © dsc01407_bear

„Ich glaube auch, dass die Bereiche der Wirtschaft und Kunst trotz ihrer oft gegensätzlichen Ansätze sehr viel voneinander lernen können. Hierin liegt viel Potenzial für unsere Zukunft.“

Maren Geers

Zusätzliche Informationen

Auf der Seite von Schloss Solitude finden Sie ein spannendes Interview von Sophie-Charlotte Thieroff, der Koordinatorin des Projekts the art, science & business program an der Akademie Schloss Solitude, mit den Künstlern und der Innovationsmanagerin. Sie schildern den Raum als wandelbar. Er soll sich verändern und helfen, die gewohnten linearen und berechenbaren Strukturen über Bord zu werfen. Sie diskutieren auch, wie es gelingen kann, die Idee und Philosophie dieses Raumes für die Zukunft zu erhalten. Gewohnte Regeln und Überzeugungen zu verlassen, Grenzen auszuloten und zu überschreiten ist nicht selbstverständlich und braucht ständige Auseinandersetzung und Dialog.

Hier finden Sie das Interview in englisch, die deutsche Version am Ende des englischen Textes als pdf.

Aus der Perspektive der beiden Künstler können Sie über das Projekt im Buch „Wirtschaft trifft Kunst“, herausgegeben von Ulrike Lehmann, im Teil VI – Aussicht: Projekte von Kunst in Unternehmen lesen. Ein Buch, das auch auf meiner Besprechungsliste steht. Einen Auszug unter dem Titel „Ein Eingriff ins Gesamtsystem“ finden Sie auf der Seite der Initiative Kultur- & Kreativwirtschaft.

*) Über das Künstlerische Unternehmen Wimmelforschung (seit 2018 „Break’n Border) gibt es demnächst einen eigenen Blogbeitrag.

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