Kunst ist Kommunikation

Interview mit dem Künstler Klaus Ludwig Kerstinger, Mitglied im Künstler-Pool des Instituts für Kunst und Wirtschaft

Helga Stattler:
Im Kulturmanagement.net stellst Du Dich als „Künstler und Manager“ vor und schreibst gleich im ersten Absatz, dass Du Dir zu Beginn deiner künstlerischen Tätigkeit nie hättest vorstellen können, Dich so zu titulieren. Wieso hat sich das verändert?

Klaus Ludwig Kerstinger
Klaus Ludwig Kerstinger

Klaus Ludwig Kerstinger:
Nach dem Studium an der Kunstakademie Wien arbeitete ich als freischaffender Künstler und widmete mich ganz dem Künstlerdasein. Nebst meiner künstlerischen Arbeit suchte ich im Laufe der Zeit eine weitere Reibung. Mich interessierte der Kunstbetrieb an sich, ich wollte etwas bewegen und so gründete und leitete ich mit zwei Partnern die Galerie art2net für junge Nachwuchskünstler. Wir hatten ein gutes Händchen bei der Auswahl der Künstler. Was mich damals und heute noch interessiert ist die andere Seite des Kulturbetriebs zu sehen, also wie arbeiten und organisieren Institutionen Projekte. Bei meinem Postgraduate Studium Kultur & Organisation habe ich das Handwerk studiert. Als Künstler, als Ich-AG, muss man auch solche Fähigkeiten entwickeln, vielleicht im kleineren Stil, aber das Grundprinzip ist bei größeren Projekten das gleiche.
Diese Erfahrungen sind für meine künstlerische Arbeit sehr wichtig. Aktiver Künstler zu sein und als Kulturmanager im Kulturbetrieb zu stehen ist für mich sehr prägend und wesentlich. Durch diese beiden Welten bekomme ich geistigen Austausch und eine Reibung, durch die ich mich weiterentwickeln kann.

Helga Stattler:
Du hast am Institut für Kulturkonzepte und der Universität Wien eine Ausbildung zum Kulturmanager absolviert, wo kannst Du dieses Knowhow anwenden?

Klaus Ludwig Kerstinger:
Da habe ich in erster Linie gelernt alles bis zum Ende durchzudenken, also die Idee auf das Papier zu bringen und dann in die Realität umzusetzen. Das nützt mir sowohl als Manager meiner eigenen Person als auch für meine Tätigkeit als Kulturmanager. Profitiert habe ich auch durch die TeilnehmerInnen aus verschiedenen Sparten. Mit etlichen Studienkolleginnen und -kollegen bin ich noch in Kontakt. Das ermöglicht mir interessante Einblicke in Kulturorganisationen und deren Tätigkeitsfelder und natürlich hat sich dadurch auch ein wesentliches und auch nützliches Netzwerk entwickelt.

Helga Stattler:
Derzeit bist Du in „beiden Welten“ aktiv.

Klaus Ludwig Kerstinger:
Als Kulturmanager bei der Kunst- und Kommunikationsagentur art : phalanx bekomme ich viel Energie durch die Auseinandersetzung mit der Wirtschaft, das macht Freude und Spaß. Und das wirkt sich wieder auf die künstlerische Arbeit aus. Kunst ist Kommunikation. Und ein nicht unwesentlicher Aspekt in der Kunst ist der Bezug zur Wirtschaft.

Helga Stattler:
Wie kann sich die Wirtschaft der Kunst nähern?

Klaus Ludwig Kerstinger:
Zunächst geht es als bildender Künstler um Produkte und Werke. Unternehmen besuchen Ausstellungen, tätigen Ankäufe oder haben eine hauseigene Galerie. Das trägt zur Bewusstseinsbildung im Unternehmen bei. Kunst ist ein möglicher Weg offener zu werden, sich für etwas abseits der Arbeit zu interessieren oder auch sich mit der eigene Firma zu identifizieren. Ein wesentlicher Schritt ist dann vom Kunstwerk zur Person des Künstlers, der Künstlerin. Wie denkt diese Person, wie handelt sie, welche Überlegungen und Aussagen sind für die KünstlerInnen wichtig. KünstlerInnen kennen zu lernen heißt, einen neuen Zugang zur Kunst zu gewinnen, vielleicht auch Irritationen erleben zu dürfen.
Künstlerischer Ausgangspunkt sind Themen, die bewegen. Entweder gesellschaftspolitische Fragen, die zum Nachdenken anregen oder konkrete Themen in einem Unternehmen. Mit diesem Potential setzt sich die Künstlerin, der Künstler dann auseinander. Das ist der Nährboden für Künstler. Kunst zeigt auf, sie ist ein Spiegel, ein Filter, durch die jeweilige Kunst-Sprache. Es ist eine emotionalere Ausdrucksform, Räume werden breiter. Man erwartet sich das auch von einem Künstler, das ist ein Stück künstlerische Freiheit.

Helga Stattler:
Welche Voraussetzungen sind Deiner Erfahrung nach fürs Gelingen eines solchen Projekts maßgeblich?

Klaus Ludwig Kerstinger:
Neugierde, Offenheit und Mut für Veränderung. Natürlich muss die Firmenphilosophie passen. Der Künstler hat ein Grundkonzept aus der künstlerischen Tätigkeit, dem eigenen Spektrum. Nun ist die Firma das Medium und man nähert sich ihr, screent das Unternehmen und reagiert dann auf das was man sieht, hört, spürt  – in der eigenen künstlerischen Sprache, im eigenen „Stil“, der eigenen Ausdrucksform.
KünstlerInnen sind immer Beobachter. Sie filtern  und reagieren dann auf „Erlebtes“. So entstehen neue Visionen. Genau mit diesen Ansätzen kann etwas bewegt und bewirkt werden. Das ist, so denke ich, auch die Erwartungshaltung im Unternehmen, ist aber auch mit gewissen und nicht programmierten Spannungsmomenten verbunden.

Helga Stattler:
Was kann sich ein Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Künstlern erwarten?

Klaus Ludwig Kerstinger:
Einen kreativer Ansatz und eine unkonventionelle Lösung. Zumeist öffnet sich eine Tür und eine kreative Idee und etwas wirklich Neues ist da! Letztlich ist das Ziel eine Win-win-Situation. Das Unternehmen profitiert von kreativen Denkansätzen und die Künstlerin, der Künstler profitiert für die eigene Kunst.

Informationen zum Künstler

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Kreative Projektideen für die Wirtschaft

565 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft haben sich beim bundesweiten Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2013“ beworben. Aus dem umfassenden

Christian Hoffmann_SpielPlan
Christian Hoffmann_SpielPlan

Auswahlverfahren sind 32 Preisträger hervorgegangen, darunter „SpielPlan“, das Team um Christian Hoffmann in Berlin, langjähriger Kooperationspartner meines Unternehmens VeranstaltungsDesign. Mit dieser Auszeichnung wird anerkannt, dass Theaterkonzepte, die maßgeschneidert für konkrete Situationen und Themen eines Unternehmens entwickelt werden, eine starke und nachhaltige Wirkung haben.

Die KünstlerInnen von SpielPlan gehen ins Unternehmen, machen sich ein Bild, schlüpfen in die Rollen von Führungskräften und MitarbeiterInnen um dem Unternehmen einen Spiegel vorzuhalten oder motivieren die MitarbeiterInnen, sich in die Rolle ihrer Chefs oder Kollegen und Kolleginnen zu versetzen. Eine fremde Perspektive einzunehmen, selbst zu spüren, welche Emotionen dabei hochkommen, hilft den Anderen besser zu verstehen, sich selbst und das Team neu wahrzunehmen. So können Konflikte gelöst, Prozesse und Beziehungen verbessert werden.

In Österreich ist derzeit Wolfgang Kainz mit Businesstheater Wien der erfahrenste Anbieter von Theaterprojekten für die Wirtschaft. Unter „Praxisbeispiele“ werde ich demnächst über aktuelle Projekte beider Unternehmen berichten.

Informationen zu SpielPlan

Die Preisträger des Wettbewerbs

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Was die Musik die Wirtschaft lehren kann

Am 27. August wird es in Alpbach im Rahmen des Kulturprogramms des Europäischen Forums Alpbach 2013 einen außergewöhnlichen Abend geben. Miha Pogačnik, Violinvirtuose und Visionär, wird mit Willibald Cernko, dem Vorstandsvorsitzenden der Bank Austria über die Verbindung zwischen Kunst und wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Themen unserer Zeit diskutieren und nach neuen Perspektiven suchen.

Ich habe Miha schon einige Male bei seinen dynamischen, hoch emotionalen Vorträgen erlebt, unter anderem in Schloß Borl, Slovenien – ein kurzer Ausschnitt dieses Ereignisses ist hier nachzuhören:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=j2iB_zGz7Ho&w=420&h=315]

Die Vortragsperformance „Was die Musik die Wirtschaft lehren kann“  verspricht also für das Publikum musikalischen Genuss, aber auch überraschende Gemeinsamkeiten von Musik und Prozessen im Management: die Dynamik des Umfelds, das brennen für etwas Neues, das fließen lassen, die Umwege zur Lösung.  Im Guardian, London, war einmal zu lesen “Miha Pogačnik is an artist who is making hard-nosed executives turn to the world of creative talent in a pragmatic effort to improve efficiency.”

In der Diskussion wird Miha den Managern also vermitteln, dass eine neue Form von Beziehung zwischen Kunst und Wirtschaft kühne Visionen möglich macht. Künstler zeichnen sich durch Leidenschaft, Mut, Ideenreichtum und Vorstellungskraft aus. Genau das sind zentrale Fähigkeiten um Wachstum und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu sichern.

Informationen zur Veranstaltung

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Creative Economy – wie entsteht das NEUE?

CCKonferenz2013Die erste Konferenz des europäischen Netzwerks von Organisationen im Bereich „Kunst und Wirtschaft“, die im März in Brüssel stattfand, war bestens vorbereitet. Die Profile und Aktivitäten aller Organisationen in diesem Bereich wurden recherchiert und ausgewertet, drei Forschungsprojekte in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse präsentiert. Während bisher die Innovationspolitik der EU und auch in den Ländern auf technische und naturwissenschaftlich getriebene Innovationen setzte, hatten die 150 TeilnehmerInnen (Künstler, Manager, Wissenschaftler, Projektbegleiter, Berater und Vertreter des  Europäischen Parlaments und der Generaldirektion der Europäischen Kommission) nun fundierte Unterlagen, die belegen, dass die Zusammenarbeit von Unternehmen und KünstlerInnen innovatives Denken und Handeln in ganz neuer Weise fördert.

Wie wichtig das gerade jetzt ist erklärte Keynote-Speaker Michael Hutter vom WZB, Wissenschaftszentrum Berlin, gleich zu Beginn. „Creative Economy“, ist wesentlich bedeutender als die „Creative Industries“, die nur eine – wenn auch wichtige – Nische der Gesamtwirtschaft sind. Es geht vielmehr um einen Paradigmenwechsel von der produktivitätsgetrieben Wirtschaft zu einer ganz neuen Art zu wirtschaften und zu konsumieren, einer „Kreativen Gesamtwirtschaft“ in der das NEUE das Normale ist. Sie wird von Chancen getrieben und nicht von Problemen, Ungewissheit ist nicht unvermeidbares Risiko des Scheiterns, sondern wird als Möglichkeit gesehen, etwas Unerwartetes, Überraschendes zu erreichen. Aber wie findet man das wirklich NEUE?

Mit traditionellen, rationalen Strategien erreicht man das Neue nicht, denn es folgt weder logisch noch schlüssig aus etwas Bestehendem. Das Neue beinhaltet immer ein Element der Überraschung, der Überwältigung, der Entdeckung, des glücklichen Zufalls. Deshalb sind Künstlerische Interventionen in der „Creative Economy“ so wichtig.

Den Bericht von Ariane Berthoin Antal können Sie im Blog „Cultural Sources of Newness“ nachlesen.

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Foto Ch.Neumann www.christoph-neumann.com

Der Slammer Sebastian23, der die Konferenz beobachtete, hat an Ort und Stelle ein Gedicht verfasst und performed.

Daraus nur ein Appetizer:

…..
Let’s serve creatively by interrupting work
And teaching everybody to do something new
I want bus drivers to paint their passengers
I want policemen to sing a search warrant
I want firemen to write a poem about smoking
in bed
I want artists to work
Let’s open up
Like eyes do in their youth
Like I just did with you
…..

Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz und die Wirkung Künstlerischer Interventionen finden Sie auch im Blog von KEA.

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Und noch eine kurze Information zu den Forschungsberichten und dazu die Links:

  1. Berthoin Antal, Ariane & Strauß, Anke (2013): Artistic interventions in organisations: Finding evidence of values-added. Creative Clash Report. Berlin: WZB
    (Nutzen künstlerischer Interventionen: Projektarten und -dauer, Wirkung, Voraussetzungen für den Erfolg) Link
  2. Grzelec, Anna & Prata, Tiago (2013): Artists in organisations – mapping of European producers of artistic interventions in organisations, Goethenburg, Sweden: TILLT
    (Organisationen in Europa, deren Ziele, Angebote, Kundenstruktur, Dienstleistungen für Kunden und Künstler)
    Link
  3. Vondracek, Anna (2013): Support-schemes for artistic interventions in Europe – a mapping and policy recommendations. Creative Clash Report. Brüssel: KEA Affairs
    Link
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Die „Besondere Bibliothek“

Wenn man das Gebäude der Österreichischen Volksbanken AG betritt, wird der Blick sofort an die Decke  des Foyers gelenkt, wo die Lichtinstallation von Brigitte Kowanz „eins durch unendlich – unendlich durch eins“ sich scheinbar in unendliche Tiefen vervielfältigt. Nach ein paar Schritten dann das 22 Meter hohe Atrium mit der Arbeit des Künstlers Otto Zitko, einem Wandgemälde auf einer rund 45000m2 großen Fläche.

Harald Posch, Personalmanager und Projektleiter der Kunstprojekte: „Ziel war, dass markante künstlerische Installationen auf die Architektur reagieren, um inspirierende Räume zu schaffen. Die Künstler haben sich intensiv mit dem Haus auseinander gesetzt und mit hohem Qualitätsanspruch, konsequent und kompromisslos ihre Werke geschaffen. Architektur und Kunst sind hier miteinander verwoben.“

Mein Besuch galt aber einem anderen Kunstprojekt, das auf den ersten Blick nur zu sehen ist, wenn man das Haus durch die Tiefgarage betritt. Christian Muhr von Liquid Frontiers hatte mich darauf aufmerksam gemacht: „Die besondere Bibliothek“. Idee und Konzept von Liquid Frontiers war, eine Soziale Skulptur der damals, im Jahr 2010 im Konzern tätigen MitarbeiterInnen zu schaffen, eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Gebäudes.

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Foto: Raimo Rudi Rumpler
www.raimo.at

Diese Kunstintervention war eine mehrfache Herausforderung.
– Der Ort: die Tiefgarage mit allen damit verbundenen Auflagen
– Der Anspruch von Liquid Frontiers: die aktive Gestaltung des Projekts mit den MitarbeiterInnen

Die MitarbeiterInnen der Bankengruppe wurden gebeten, drei ihrer subjektiven Meinung nach besonders wichtige Bücher mitzubringen. Bücher die sie begeistert oder geprägt haben, um daraus eine Bibliothek zu gestalten.

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Foto: Raimo Rudi Rumpler
www.raimo.at

Sabine Dreher, Liquid Frontiers: „Der Prozess des Sammelns der Bücher wurde sorgfältig geplant: vom Kick-off-Event über Infos im Intranet bis zur logistischen Abwicklung. Alle, quer über die Hierarchie, die verschiedenen Standorte und Kulturen wurden eingeladen, sich zu beteiligen. Trotz eines Zeitfensters von nur zwei Wochen gelang ein repräsentatives Ergebnis: 458 Bücher wurden gesammelt, gescannt und die Buchrücken zu einer Serie von großformatigen Ansichten zusammengestellt.“

Das künstlerische Gestaltungskonzept lebt von den vielseitigen Interessen der Mitarbeiter. Die Bücherwände verwandeln darüber hinaus das übliche graue Einerlei einer Tiefgarage in ein inspirierendes Ambiente und sorgen  für Orientierung. Wenn Sie interessiert, welche Bücher in dieser „besonderen Bibliothek“ gelistet sind, in dieser Broschüre ist alles genau beschrieben.

„Die Mitarbeiter haben sich damals intensiv mit den Kunstwerken auseinandergesetzt“, so Harald Posch, der in den Kunstinterventionen auch den Aspekt der Personal- und Organisationsentwicklung sieht: „Die Diskussionen haben zur Bewusstseinsbildung beigetragen und die Fähigkeit unserer Mitarbeiter zur Reflexion gefördert.“

Interessant wäre, im Sinne der Nachhaltigkeit, nun nach zwei Jahren einen Blick auf die Veränderungen zu werfen, die sich auch in der Bibliothek widerspiegeln würden. In einer Zeit großer Herausforderungen können gerade künstlerische Formen der Reflexion dazu beitragen, Sichtweisen zu verändern, neue Möglichkeiten und damit erstrebenswerte Zukunftsbilder wahrzunehmen.

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Jede Künstlerische Intervention ist ein Unikat

Wie und warum wirken Künstlerische Interventionen? Die Wirkungsforschung zu der relativ neuen Methode der künstlerischen Intervention steckt noch in den Kinderschuhen. Schon deshalb, weil sie sich einer Systematik entzieht, denn es gibt keine „typische künstlerische Intervention“. Sie kann wenige Tage dauern, aber auch Monate oder sogar Jahre. Es können ein oder mehrere KünstlerInnen einbezogen sein und sie kommen aus allen möglichen Kunstsparten. Die Intervention basiert auf der besonderen Art der Künstler zu denken, mit Menschen zu arbeiten, Ideen zu entwickeln, mit Produkten und Räumen umzugehen. Oder im Laufe des Prozesses entsteht ein Kunstwerk, eine künstlerische Arbeit, meist gemeinsam mit den MitarbeiterInnen.

Auf der Seite des Unternehmens gibt es auch vielfältige Situationen: von der Anzahl der beteiligten MitarbeiterInnen bis zu den Zielen der Organisation, die meist eher weit gefasst sind, wie z.B. die Kreativität zu steigern, die Kommunikation zu verbessern, neue Produktideen zu entwickeln, die Innovationskraft zu stärken, die Identität zu klären usw. Wie bei jedem Beratungsprozess wird die Organisation gleichzeitig durch viele andere Entscheidungen, technologische und Marktentwicklungen beeinflusst. Daher kann eine monokausale Verbindung zwischen der künstlerischen Intervention und dem Erfolg des Unternehmens nicht hergestellt werden.

ArianeBerthoinAntal

Ein Team von WissenschaftlerInnen, dem u.a. Ariane Berthoin Antal und KollegInnen am WZB, Wissenschaftszentrum Berlin, angehörten, hat für das „Creative Clash Project on artistic interventions in organisations“ trotz dieser Rahmenbedingungen aus den bis dato vorliegenden Veröffentlichungen einige typische Ergebnisse herausgefiltert, zum Beispiel:

  • Obwohl in den meisten Fällen die Mitarbeiter anfangs skeptisch sind, gelingt es den Künstlern immer, sie zu gewinnen. Auch wenn der Prozess manchmal durch schwierige Phasen der Irritation und Frustration geht, berichten die Menschen am Ende, dass sie eine sehr positive Erfahrung gewonnen haben.
  • Das gilt sowohl für die einzelnen Personen als auch Gruppen/Teams und die Organisationsebene. Dabei verstärkt sich die Wirkung wechselseitig, der Funke springt über!
  • Sowohl die Manager als auch die Mitarbeiter sagen, dass künstlerischer Interventionen vor allem das Innovationspotential stärken.
  • Bei Lern- und Changeprozessen wird an erster Stelle „Mehr und differenzierter sehen“ und „Der Kick zu neuer Aktivität“ genannt, gefolgt von „Kooperation“ (echter Zusammenarbeit statt nur gemeinsam zu arbeiten) und „Meine persönliche Entwicklung“.
  • Die Kraft der künstlerischen Intervention liegt darin, Möglichkeitsräume zu eröffnen, in denen mit neuen Formen des Sehens, Denkens und Handelns experimentiert werden kann.
  • Künstlerische Interventionen sind Ereignisse mit Anfang und Ende. Daher liegt es an den ManagerInnen und MitarbeiterInnen, den Nutzen für die Organisation und die Nachhaltigkeit der Wirkung zu sichern.

cci-reportsDer ausführliche Bericht wurde bei der Creative Clash Konferenz am 19.3.2013 in Brüssel veröffentlicht und steht für Interessenten zum Download bereit.

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Edgar H. Schein zur Rolle von Kunst und KünstlerInnen

Edgar Schein
Edgar Schein

In der aktuellen Ausgabe 1/2013  der Fachzeitschrift „Organizational Aesthetics“ veröffentlicht der Pionier der Organisationsentwicklung, Edgar H. Schein, Sloan Professor emeritus am MIT Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, einen Artikel aus dem Jahr 2001 zur Rolle von Kunst und KünstlerInnen, den er in seinem Kommentar als aktueller denn je bezeichnet. Denn seither gibt es immer mehr Know-how an Universitäten und in der Praxis, wie Kunst und KünstlerInnen für Unternehmen und Organisationen relevant sein können. Schein beschreibt, worin dieser Beitrag aus seiner Erfahrung begründet ist:

  1. Kunst und KünstlerInnen stimulieren uns mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr wahrzunehmen von dem was in uns selbst und um uns herum vorgeht.
  2. Kunst stört, provoziert, regt auf und regt an – und das soll sie auch.
  3. KünstlerInnen regen dazu an, unsere Fähigkeiten und unser Verhaltensrepertoire zu erweitern und flexibler zu werden im Reagieren.
  4. Kunst und Künstler stimulieren und befähigen uns zu ästhetischer Wahrnehmung.
  5. Indem wir beobachten wie ein Künstler arbeitet, gewinnen wir neue Einblicke und Einsichten: Wie kommt eine Leistung zustande und was bedeutet das für Führung und Management
  6. Der Künstler bringt uns mit unserem inneren, schöpferischen Selbst in Berührung.

Das gilt für KünstlerInnen jeglicher Kunstsparte. Auch Komponisten und Schauspieler müssen lernen zu sehen und zu hören bevor sie sich ausdrücken können. Genau das ist auf zwischenmenschliche Situationen anwendbar, die wir schlecht managen, weil wir nicht gelernt haben zu sehen was wirklich vorgeht. Künstler sprechen unser Unbewusstes an und bringen uns dazu uns mit etwas auseinanderzusetzen, das wir normalerweise vermeiden, weil es verwirrend, Angst auslösend, gegen die Regeln ist.

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Creative Clash: Konferenz in Brüssel

Creative Clash, die europäische Plattform für Künstlerische Interventionen in Organisationen lädt am 19. März ins Goethe Institut Brüssel, um die aktuelle „Landkarte“ der Intermediäre*) in Europa zu präsentieren. Seit kurzem sind auch wir, das Institut für Kunst und Wirtschaft, Mitglied dieser Expertenrunde.

Michael Hutter WZB
Michael Hutter WZB
Ariane Berthoin Antal WZB
Ariane Berthoin Antal WZB

Das WZB (Wissenschaftszentrum Berlin), das im Rahmen der Abteilung „Kulturelle Quellen von Neuheit“ wesentliche Forschungsarbeiten über die Wirkung kunstbasierter Projekte in Unternehmen und Organisationen leistet, ist durch zwei Speaker vertreten: Prof. Michael Hutter spricht über „Artistic interventions and its relation to Creative Economy“ und Prof. Ariane Berthoin Antal über ihre Forschungsarbeit zu den Ergebnissen Künstlerischer Interventionen. Die Diskussionen werden sich auch um Förderungen und Unterstützung durch EU-Projekte drehen, da namhafte Vertreter des European Parliaments und der European Commission in den Panels vertreten sind. Wir werden über die Ergebnisse berichten.
*) Intermediäre bilden eine Brücke zwischen Kunst und Wirtschaft, sie beraten Unternehmen und Künstler, die sich für diese Form der Zusammenarbeit interessieren und begleiten Projekte. Mehr dazu unter „Glossar“.

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Lern-Erlebnis Improtheater

Theater im Bahnhof / Foto:Johannes Gellner
Theater im Bahnhof / Foto Johannes Gellner

Unter Improvisation versteht man normalerweise Handeln ohne Vorbereitung. Wenn Sie jemals die Aufführung einer Improtheater-Gruppe gesehen haben (zb Theater im Bahnhof in Graz, das TAG und die English Lovers in Wien), dann haben Sie sicher gemerkt, dass Profis auf der Bühne stehen. Dahinter steckt langes Training. KünstlerInnen bereiten sich darauf vor, dass etwas Unerwartetes passiert und wollen dafür gerüstet sein. Sie nehmen die Tatsache, dass immer etwas geschehen kann, womit sie nicht rechnen, als positives Ereignis an, ja sie hoffen sogar, dass es passieren wird. Je mehr ein Künstler sich darauf vorbereitet zu improvisieren, desto mehr Freiheit hat er, kreativ zu sein und etwas wirklich Neues, Innovatives hervorzubringen. Ein schönes Beispiel dafür zitiere ich in der Buchbesprechung „The Creative Habit“: Wie entsteht ein außergewöhnliches Foto? (unter „Literatur“)

Und noch etwas kann man beimImprovisationstheater erleben und lernen. Je mehr jeder Einzelne die Mitspieler auf der Bühne unterstützt, umso besser wird sie/er selbst und vor allem die Gesamtleistung. Mit Selbstdarstellern scheitern Impro-Szenen. Sehen Sie die Parallele zum Unternehmen? Die Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters hängt hochgradig davon ab, wie gut sie/er in das Team passt und welche Unterstützung sie/er durch die anderen Mitglieder des Teams erhält. Das gilt für jeden im Team und damit für das gemeinsame Ergebnis.

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Aquarelle als Inspiration

Die Autorin des Buches „Wirtschaftsästhetik. Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ und Professorin an der Business School Berlin Potsdam, Brigitte Biehl-Missal, lehrt nun auch an der Universität Hannover. Am Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft studieren Berufstätige in einem Weiterbildungsstudiengang, der Arbeit und Menschen in den Mittelpunkt stellt. Im Lehrplan findet man aktuelle Titel wie Wertschätzende Dialoge, Humor als Burnout-Prävention, Organisationale Achtsamkeit bei Veränderungsprozessen – und so wundert es auch nicht,  dass künstlerische Themen und Methoden wie Ästhetik und Kunst als Quelle für Inspiration, Teamentwicklung mit musikalischen Interventionen, Innovationsdramaturgie und  die Macht der Metapher als Innovationsmethode vermittelt werden.

Brigitte Biehl-Missal hat uns von ihrem Seminar, das sie kürzlich gehalten hat, einen inspirierenden Bericht geschickt:

„Es ist ein seltenes Geschenk, dass wissenschaftliche Seminare illustriert werden. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Tanja Föhr, Teilnehmerin an meinem Seminar „Ästhetik und Kunst als Quelle für Inspiration in Unternehmen“  ihr Feedback in Form von Aquarellen ausgedrückt hat. Eine passendere Antwort hätte man für diesen Seminartitel wohl nicht finden können.

8391278819_60fcf22322_bDie Innovationsmanagerin hat zunächst ein Zitat von Warren Buffet abgewandelt, der von sich behauptete: „I am not a business man, I am an artist“.  Föhrs farbiges Aquarell illustriert dabei sehr treffend, wie viel Management doch mit unscharfen Grenzen und sich verändernden Formen zu tun hat. Nur Wasserfarben können diesen Eindruck vermitteln, da sie anders als die scharfen Linien anderer Farben ineinander übergehen und schlecht „kontrollierbar“ sind. Ebenso wenig wie die Führung von Menschen und geschäftliche Entscheidungen im 21. Jahrhundert.

Ein weiteres Bild verdeutlicht die beiden Seiten von Kunst mit zwei Figuren, die einen dicken Bauch haben. Einerseits geht es um Machtdemonstration wie beim Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, der sich mit einem Kunstwerk dekoriert, welches in seiner Abstraktheit auch ihn als abstrakt denkend und innovativ präsentieren soll (meine Prezi-Folie im Hintergrund).  Der andere Bauch visualisiert das „Bauchgefühl“, welches viele unternehmerische und individuelle Entscheidungen nicht zu Unrecht beeinflusst. In der Managementforschung ist der Begriff des impliziten Wissen besonders wichtig um zu erklären, wie Menschen sich in Organisationen verhalten. Man geht davon aus, dass dieses von der ästhetischen, also sinnlichen Wahrnehmung beeinflusst ist.

8391785612_4db3d4d359_k8390697637_08c4857ae6_kHier schließt der Stuhlkreis an, bei dem knubbelige Männchen ihre steife Position aufgegeben haben, vielleicht weil sie wie wir im Seminar das Gedicht „The Road Not Taken“ des amerikanischen Pulitzerpreis-Trägers und Lyrikers Robert Frost gelesen haben. Berater bei Boston Consulting haben dies auch durchgeprobt. Die Lehren daraus? Ein Gedicht ist offen, fast unendlich interpretierbar, wird mit näherem Hinsehen und Hinhören noch komplexer und enthüllt weitere Bedeutungen. Genau dies muss eine Führungskraft auch wissen, die sich vom einfachen Entweder-/Oder-Denken verabschieden muss. Beim Gedicht geht es darum, dass an einer metaphorischen Weg-Gabelung eine Entscheidung getroffen werden muss. Der Poet schreibt nicht nur, sondern macht uns fühlen, dass damit ein wenig Einsamkeit und Angst einhergeht, weil es keinen Weg zurück gibt – wie im Leben und auch im Manageralltag, wenn es um Entlassungen und Risiken gehen mag. Schließlich wirft Föhr noch einen Blick auf die Metapher, dass Organisationen wie Jazz sind. Führung wechselt sich ab, es wird improvisiert und es ist Schwung drinnen! Ein Ideal des zeitgemäßen Managements, was aber in der Realität nicht immer hält. Das wirft auch die Frage auf: Wie würde Ihr Unternehmen klingen?  Wer sich ein wenig mit dieser Frage beschäftigt, wird schnell auf Rhythmen, Melodien und auch Dissonanzen stoßen.“

Brigitte Biehl-Missal war im März v.J. Impulsreferentin bei unserem Diskussionsforum im Uhrenmuseum. Die Besprechung ihres Buches „Wirtschaftsästhetik“  lesen Sie im Bereich Literatur.

Und die Zeichnungen von Tanja Föhr finden Sie auch unter diesem Link

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