Literatur für Einsteiger zum Thema „Kunst im Unternehmen“

Buchcover Kunst im Unternehmen

 

„If I can’t picture it – I can’t understand it“ – dieses Zitat von A. Einstein stellt Bianca Edda Weber an den Beginn ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst und Wirtschaft. Ihr Anliegen ist es, dem Leser eine kompakte, systematische Einführung in die Materie zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem darum, die Bedeutung und den Nutzen künstlerischer Interventionen in Unternehmen bewusst zu machen. Weg von dem noch immer weit verbreiteten Gedanken, Kunst im Unternehmen mit Sponsoring oder Behübschung der Vorstandsetagen zu verbinden.

„Benötigen Gesellschaften und ihre Individuen Zeit, um Wahrnehmung und Dasein an die sich stetig wandelnden Bedingungen anzupassen, sind es die Künstler, die stets einen Schritt schneller gehen und aus dem Neuen schöpfen“. Die Autorin schränkt allerdings den Kunstbegriff auf bildende Kunst ein, wodurch vielfach eingesetzte künstlerische Initiativen aus der Welt des Theaters, der Musik und anderen Kunstsparten ausgeblendet werden.

Aus der vorhandenen Literatur leitet B.E.Weber Nutzen und Wirkung von Kunst ab: Erkenntnis- und Wahrnehmungsfunktion als Chance eingefahrene Denk- und Handlungsmuster zu verlassen. „Der Umgang mit Kunst kann als Wahrnehmungstraining verstanden werden“. Die Auseinandersetzung mit Kunstwerken, das Sehen, Interpretieren oder Vergleichen inspiriert zu kreativen, innovativen Prozessen. Aber auch die Imagewirkung für das Unternehmen in der Öffentlichkeit betont sie als wesentliche Funktion.

Kunst wird in ihrer Wirkung nach innen – als Teil der Unternehmenskultur, der Personal- und Organisationsentwicklung analysiert. In ihrer Wirkung nach außen prägt sie die Unternehmenskommunikation. Als integrativen Ansatz bezeichnet sie die Wirkung nach innen und außen. Kunst kann dabei einen Mehrwert in der Strategieentwicklung generieren, indem sie Veränderungen seismographisch antizipiert, komplexe Entwicklungen verständlich macht und zu Grenzüberschreitungen ermutigt.

Die zahlreichen Beispiele werden anhand des Einsatzes von Kunst in den verschiedenen Unternehmensbereichen vorgestellt. So findet man Initiativen für Kunst als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur (Würth GesmbH &Co KG), Kunst für die Entwicklung einer innovativen Werbe- und Recruiting Kampagne (Boston Consulting Group), Kunst als Prozessbegleiter zur Erzeugung innovativer Denkansätze (Daimler AG) und Kunst als Katalysator für die Teamentwicklung bei Mergers (Haworth).

Besonders spannend fand ich das Beispiel der Beratungsfirma Droege&Comp.1), bei dem Kunst als Grundlage zur Entwicklung einer Unternehmensstrategie dienen sollte. Das Motto war „Beratung ist Umsetzung nach allen Regeln der Kunst“, was das Unternehmen nicht als Wortspielerei verstanden wissen will, sondern „sieht die Kunst der Beratung darin, die Einheit von Konzeption und Handeln herzustellen. Dafür sind bestimmte Regeln notwendig…… Kunst schöpft aus der Veränderung, dem Neuen und Unbekannten. Zusätzlich ist sie Sinnstifter und inspiriert. …Es mag zwar nicht so erscheinen, dennoch folgt die Kunst und die Entstehung von Kunstwerken Regeln.“ Diese Annahme hat bewirkt, dass zusammen mit dem Lehrstuhl für Kunstwissenschaft Ästhetik und Kunstvermittlung der Universität Witten/Herdecke für das Unternehmen ein Kunstkonzept entwickelt wurde, das heute als Grundlage der Beratungsphilosophie eingesetzt wird.

Das Buch schließt mit einer graphischen Übersicht über den Einsatz von Kunst im Unternehmen. Die Ausführungen folgen dem stringenten Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit mit theoretischen und definitorischen Erläuterungen zu jedem Kapitel. Die Autorin bietet mit dieser Arbeit eine verständliche Orientierung für Einsteiger in die Thematik „Kunst und Wirtschaft“.

Bianca Edda Weber „Kunst im Unternehmen“, Diplomica® Verlag GmbH, Hamburg 2010, ISBN-13: 978-3836690669. Die Zitate wurden dem Buch entnommen.

1) Das Kunstkonzept von Droege haben wir auch in zwei anderen Publikationen gefunden, die wir bereits besprochen haben: „Das Wie am Was“ und „Künstlerische Irritationen im Unternehmen“.

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Neue Blog-Reihe „Kreativität für die Wirtschaft“

© Antje Hinz
© Antje Hinz

Antje Hinz, Medienproduzentin und Verlegerin des Silberfuchs-Verlages schreibt in einer neuen Blog-Reihe von „impulse“ über das befruchtende Zusammenspiel von Kultur, Kreativität und Wirtschaft.

In diesem Blog lesen Sie, wie das Drogerieunternehmen dm auf kreative Weise seine MitarbeiterInnen fördert, welche soft skills Manager von Dirigenten lernen können und wie man einander durch „Mitarbeiter-Slams“ besser kennen lernen kann. Sehr ausführlich und mit eindrucksvollen Fotos können Sie sich über die Projekte 2014 des Nordkollegs Rendsburg informieren, die wir in unserem Blogbeitrag „Bilanz zur Halbzeit: Erfahrungen aus drei Pilotprojekten“ bereits kurz beleuchtet haben.

Künstlerische Interventionen bringen frischen Wind in die Firma. Antje Hinz listet zehn Stärken von Künstlern auf, von denen Unternehmen profitieren können. Und sie beschreibt zehn Szenarien, in denen KünstlerInnen und Kreative ihrer Meinung nach den Unternehmen einen entscheidenden Anschub geben können:

  1. Wachstum und Umstrukturierung
    Ein Unternehmen wächst rasant oder wird umstrukturiert. Wie können sich Unternehmer und Mitarbeiter auf die neuen Strukturen einstellen und Abläufe neu gestalten? Wie ändert sich die Kommunikation nach innen und außen?
  2. Serviceorientierung
    Im Unternehmen steht Service an erster Stelle. Wie gelingt es den Mitarbeitern, sich dem Kunden mit mehr Achtsamkeit und Engagement zuzuwenden?
  3. Mitarbeiterpflege
    Es kommt vermehrt zu Kündigungen. Wie kann erreicht werden, dass sich die Mitarbeiter dem Unternehmen stärker verbunden fühlen?
  4. Nachwuchs- und Fachkräftemangel
    Ein Unternehmen hat Schwierigkeiten Fachkräfte zu finden. Mit welchen neuen Mitteln können geeignete Mitarbeiter erreicht werden?
  5. Komplexes Wissen
    Ein Unternehmen steht vor großen Herausforderungen, weil das notwendige Fachwissen immer komplexer wird. Wie kann Wissen sinnvoll recherchiert, gesammelt, strukturiert und für alle Mitarbeiter aufbereitet werden?
  6. Eigenverantwortung
    Ein Unternehmer sieht sich ständig wachsenden Aufgaben gegenüber. Welche Aufgaben kann er Mitarbeitern übertragen? Entstehen positive Nebeneffekte, wenn sie mehr Verantwortung erhalten? Wie lässt sich die Persönlichkeit stärken?
  7. Fehlerkultur
    Ein Unternehmen will nach innen und außen besser auf Fehler reagieren beziehungsweise sie bereits im Vorfeld vermeiden. Wie konstruktiv mit Fehlern umgehen? Wie lässt sich der Kundenservice verbessern, zum Beispiel bei Rückrufaktionen?
  8. Monotonie
    In einem Unternehmen müssen häufig eintönige Arbeiten erledigt werden. Wie lassen sich Mitarbeiter motivieren, die Arbeit dennoch sorgfältig auszuführen.
  9. Produkte und Dienstleitungen
    Kunden nehmen Produkte und Dienstleistungen nicht mehr so positiv an wie früher. Wie können bestehende Angebote neu präsentiert werden? Wie werden neue, innovative Angebote entwickelt?
  10. Wertschätzung
    Ein Unternehmen beschäftigt Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturen und quer durch alle Generationen. Wie gelingt es, dass sich Mitarbeiter besser kennenlernen, sich Wertschätzung entgegenbringen, sich verbunden fühlen und im Unternehmen an einem Strang ziehen?
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Musenkuss für die Wirtschaft

© David Payr
© David Payr

 

 

 

 

„Musenkuss für die Wirtschaft“ titelt der Bestseller die Ausgabe 11/12_2014 mit dem Untertitel „Was Unternehmen von der Kunst lernen können“. Die Titelgeschichte ist ein Interview mit Lilli Hollein (Vienna Design Week) und Anja Hasenlechner (hasenlechner art-consult). Auch sie sind Vermittler zwischen Kunst und Wirtschaft. Beide plädieren dafür, „Kunstschaffende als visionäre Vordenker wahrzunehmen, weil sie andere Zugänge zu den relevanten Themen haben“ (Hollein).

 

Auf den Seiten 26 – 29 geht es dann um die Künstlerische Intervention. Die Journalistin Doris Neubauer hat Karin Wolf und mich interviewt und bringt es mit folgendem Zitat auf den Punkt: „Künstler bringen ihre künstlerischen Fähigkeiten, Sichtweisen und besonderen Arbeitsprozesse ein. Sie kommen aus einer anderen Welt, sie kennen die Sprache, die Regeln und Codes von organisationen nicht. Das ist ihr Vorteil. Sie sind neugierig, nehmen differenziert war, sie hinterfragen konsequent, reflektieren, was sie erleben, suchen neue Zusammenhänge.“

Erich Wiesmüller _Inner Circle
Erich Wiesmüller _Inner Circle

Als Praxisbeispiel schildert sie die Arbeit des Künstlers Erich Wiesmüller für die Consultants Inner Circle1). Susanne Bixner, Partnerin und Leiterin des Büros berichtete ihr, dass der Künstler völlig freie Hand hatte und es für alle spannend war zu sehen, wie er aufgrund seiner Wahrnehmung die Organisation interpretierte: „Wiesmüller hat nicht nur unser Tätigkeitsspektrum sondern speziell die Stimmung hier in unserem Büro erspürt und wiedergegeben.“

Interessant dann auch der Beitrag über Kreativität und das Brechen bestehender Regeln. Denn „Neues entsteht nur, indem Altes infrage gestellt wird“ sowie das Interview mit dem Bürgermeister von Reykjavik, der viele Kreative ins Rathaus brachte, um die Stadt aus einer fundamentalen Krise zu führen.

1) Erich Wiesmüller ist Mitglied in unserem Künstlerpool, hier das Interview mit ihm.

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Führen und Folgen: Was Manager vom Tanz lernen können II

Zum ersten Mal gab es heuer auf der wichtigsten internationalen Fachkonferenz zu diesem Thema, der Art of Management Conference in Kopenhagen, Dänemark, einen ganzen Stream zum Thema „Dance, Choreography and Organisation“. Brigitte Biehl-Missal (University of Essex; BSP Business School Berlin Potsdam) und Claus Springborg (Cranfield University und freiberuflicher Berater) haben zu dieser Serie eingeladen und konnten rund 12 Vortragende begrüßen und bis zu 40 Teilnehmer in den einzelnen Workshops.
Brigitte Biehl-Missal hat im Blogbeitrag „Führen und Folgen: Was Manager vom Tanz lernen können I“ bereits einen ersten Einblick in das Programm der Konferenz und dieses Streams geboten. Nun erfahren wir mehr über die einzelnen Veranstaltungen.

©Brigitte Biehl-Missal
©Brigitte Biehl-Missal

 

Brigitte Biehl-Missal:

„Offensichtlich sind „Führen“ und „Folgen“ nicht nur abstrakte Konzepte des Managementalltags, sondern haben ursprünglich etwas mit Bewegung zu tun und sind auch in Tanzformen zu finden. Diese Frage nach einem quasi verkörperten Verständnis von Führung, die die Organisation von Menschen im Zeit und Raum betrifft (so lässt sich übrigens auch der Begriff Choreographie definieren) ist relativ neu in der Managementforschung.

Nach unserer Einführung, die im ersten Blogbeitrag nachzulesen ist, sprach Fahri Akdemir (Viadrina Universität Frankfurt Oder) darüber, welche Führungsstrategien Choreographen anwenden, um Tänzer vor einem Auftritt in ein funktionierendes Team zu verwandeln. Es gibt Strategien, die zwar gut für die Performance sind, aber die Motivation senken können, etwa wenn Tänzer nur als „pack“ in der Gruppe performen dürfen und nicht als Individuum ihr Bestes geben können – genau wie in einer Organisation.
Sophie Bennett (Aberystwyth University) übertrug in ihrem Beitrag den Zirkus als Modell auf die zeitgenössische Organisation. Es geht um Kreativität, Zusammenspiel und den so genannten Flow (Theorie von Csikszentmihalyi), der Höchstleistung ermöglicht und viel mit dem Körper und Bewegung zu tun hat.

Lasse Lychnell (Stockholm School of Economics) leitete mit einer Übung zu Contact Improvisation ein: Die Teilnehmer mussten in der Bewegung immer mindestens einen Kontaktpunkt behalten, sei es ein Finger, Ellenbogen oder ein anderer. Hier zeigte sich, dass schon diese Organisation von Moment zu Moment stattfindet, und nicht nur kopfbasiert ist, sondern auf Impulsen und Reaktionen beruht. So geschieht effiziente Führung auch oft in anderen Kontexten.

Nina Bozic (Coach for Entrepreneurship and Innovation, Stockholm) untersuchte Tanz als Forschungsmethode und wie sie Innovation in Organisationen unterstützen kann. Wendelin Küpers’ (Karlshochschule Karlsruhe) betonte ebenfalls die relationalen, also zwischenmenschlichen Aspekte von Führung, die jeden Moment in der Interaktion neu verhandelt werden.

©The economic body
©The economic body

 

Anna-Mi Frederiksson (Tänzerin und Choreographin, Stockholm) erklärte ihre Tanz-Performance  „The Economic Body“ , die am Vorabend im Auditorium der Business School aufgeführt wurde. Sie stellte die Frage nach den sozialen Strukturen, die Menschen und ihre Interaktion quasi „choreographieren“ und überlegte, wie Menschen auf Organisationsdruck und verschiedenste Zusammenhänge reagieren und wie sich das in der Bewegung zeigt – und andersherum.

 

Bei Sue Shaw und Andrew Rowe (Manchester Metropolitan University) ging es um den Rhythmus der Erfahrung von Frauen, die von Firmen ins Ausland entsendet werden. Hier zeigt sich, dass der Arbeitsalltag körperlich empfunden wird, er ist rhythmisch oder dissonant, verzerrt oder zu schnell. Leistung und Arbeit sind also stark beeinflusst von Biorhythmus und dem persönlichen Empfinden im sozialen Kontext.

Fides Matzdorf und Ramen Sen (Sheffield Hallam University) leiteten uns zu einigen Figuren und Techniken des klassischen Turniertanzes an. Es wurde klar, dass Tanz eine Art Konversation in Raum und Zeit ist, mit eigener Grammatik, wie eine Sprache und ein sehr diszipliniertes Ausdrucksmedium. Der „Leader“ managed beim Paartanz die Routine, wie die Bewegung durch den Raum (Ausweichen, Überblick) und der „Follower“ ist verantwortlich für „the look“, dafür, dass es gut aussieht. Beiden ist daran gelegen, den anderen und das Team gut darzustellen. Es geht dabei nicht nur um Schrittfolgen, sondern um nonverbale Abstimmung, um die sofortige Reaktion auf Bewegungen und Richtungsänderungen. Auf dem Foto sehen wir Fides und Ramen bei der Bewegung sowie mich und Claus (links) nicht nur als Wissenschaftler und Stream-Koordinatoren, sondern ungewöhnlich zusammen als Tanz-Paar beim Versuch, die Theorie praktisch nachzuspielen.

©Brigitte Biehl-Missal
©Brigitte Biehl-Missal

Claus Springborg und Ian Sutherland teilten ihre Erfahrungen beim Einsatz von Tanzworkshops im Hochschulkontext. Kaum zu glauben: Teilnehmer eines MBA-Kurses waren nicht mal in der Lage, einem Chor aus Testpersonen ein überzeugendes Signal aus Gesten und Körperhaltung zum Einsatz zu liefern. Wie kann man nur mit so wenig körperlicher Ausdrucksstärke Mitarbeiter in Unternehmen zu etwas „bewegen“ wollen? Diese Episode unterstrich, wie notwendig solche kunstbasierten Interventionen wären.

In meinem abschließenden Vortrag „Gender, Movement and Organisational Leadership“ habe ich über den Zusammenhang von Bewegung und Gender gesprochen, der auch für die Wahrnehmung von Führungspersonen entscheidend ist. Nicht umsonst heißt ein soziologischer Klassiker in diesem Bereich „Throwing like a girl“ (Iris Marion Young, 1990). Wer keine Energie und Kraft in der Bewegung vermittelt, wird schnell mit Diminutiven bedacht und auch so wahrgenommen. Ich habe ein Beispiel aus dem klassischen Ballett diskutiert, wo Weiblichkeit über Kostüme und den vom Mann getragenen Pas-de-deux entsteht, sowie über modernen Tanz (Trisha Brown) gesprochen, der andere, selbstbestimmte Bewegungen zeigt. So müssen auch Frauen und Männer darüber nachdenken, dass der eigene körperliche Ausdruck stark dazu beiträgt, wie frau und man wahrgenommen werden.

Fazit: Mit dem ersten Zusammenkommen einer Gruppe von Wissenschaftlern zum Thema Tanz, Bewegung und Management auf dieser Fachkonferenz konnten wir ein neues Forschungsfeld definieren. Wir haben verschiedene Aspekte thematisiert, von dem eher theoretischen Ansatz von Tanz als Metapher über Tanz als Forschungsmethode zur Datensammlung bis hin zu Tanz als ästhetische Praxis, die unser Verständnis von Führung um viele körperbasierte und zwischenmenschliche Dimensionen erweitert. Die Praxis entwickelt sich parallel mit den Beraterinnen und Beratern, die Tanz und Bewegung zur Personal- und Organisationsentwicklung nutzen.“

Die “8th Art of Management and Organization Conference” wird 2016 an der IEDC Business School Bled, Slovenia stattfinden.

Auch Antje Hinz meint auf ihrem Medienportal MassivKreativ! dass Unternehmer von Tänzern lernen können und verweist auf die beiden Berichte I und II in unserem Blog. Interessant finde ich die Verbindung zwischen den Fragen zum Tanz und den Fragen an den Unternehmer in seiner Rolle als Chef. Hier einige Beispiele:

Fragen an die Tänzer:
Welche Vorgaben werden auf dem Parkett gemacht? Wie führt ein Tänzer und in welcher Weise kann der andere Partner folgen? Wieviel Freiraum lässt man sich gegenseitig? Auf welche Art des Tanzens bzw. auf welchen Stil hat man sich zuvor geeinigt? Will man sich lieber klassisch routiniert in traditionellen Bewegungs- und Rollenmustern präsentieren oder neue experimentelle, ungewöhnliche Wege wagen? Welche Ausstrahlung hat das Paar auf dem Parkett?

Fragen an den Unternehmer:
Haben Sie Ihre Rolle als Chef fest definiert? Welches Selbstbild und welchen Führungsstil tragen Sie nach außen? Sehen Sie sich als Solo-Performer oder als Paartänzer bzw. Team-Player? Welchen Part gestehen Sie anderen zu? Lassen Sie auch „Kapriolen“ oder „Pirouetten“ zu? Welche Rolle spielt das Publikum? Hat es Einfluss darauf, wie sicher Sie sich bewegen? Wie wirken sich Umgebung, Raum und Zeit auf Ihre Präsentation aus?

In einer Künstlerischen Intervention können Unternehmen zum Beispiel mit einer Tänzerin, einem Tänzer arbeiten. Antje Hinz motiviert dazu: „Finden Sie in einem Bewegungsworkshop heraus, in welcher Rolle Sie oder Ihre Mitarbeiter sich wohl fühlen! In welchen Situationen wirken Sie entspannt und authentisch? Erleben Sie hautnah, warum Sie mit der einen oder anderen Entscheidung Bauchschmerzen hatten. Finden Sie heraus, wieviel Wissen, Technik und Handwerk für Sie wichtig ist und wieviel Intuition. Wieviel Spontaneität und Improvisation ertragen Sie und Ihre Mitarbeiter? Was könnte Sie zusätzlich inspirieren und motivieren?“

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Bilanz zur Halbzeit: Erfahrungen aus drei künstlerischen Pilotprojekten

©Volker Sponholz www.purefruit-magazin.de
©Volker Sponholz www.purefruit-magazin.de

Das Projekt „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg in Schleswig-Holstein zieht zur Halbzeit Bilanz. Das Team um Projektleiterin Lena Mäusezahl initiiert und begleitetet künstlerische Interventionen in regionalen Unternehmen, agiert also als Intermediär zwischen Kunst und Wirtschaft.

Ohne das Nordkolleg als Mittler wären die künstlerischen Interventionen nicht entstanden, sind sich die Akteure aus Kultur und Wirtschaft einig. In einem ersten Rückblick auf die gemeinsamen Experimente wurde Bilanz gezogen: „Standard-Rezepte und –formate gibt es für die Interventionen nicht. Jede Intervention ist auf eine individuelle Fragestellung ausgerichtet und wird maßgeschneidert. Dabei können sämtliche Kunstsparten und Formate zum Einsatz kommen. Unsere Kernkompetenz liegt darin, ein passendes Matching und eine gute Prozessbegleitung zu gewährleisten“, erklärt Lena Mäusezahl.

Hier die kurze Beschreibung der Pilotprojekte:

©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de
©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de

 

 

Bei Holm & Laue in Westerrönfeld, Spezialisten für die Kälberaufzucht, errichteten die Flensburger Künstlerinnen Dany Heck und Christiane Limper für fünf Wochen ein Künstlerbüro. Von dort aus starteten sie einen humorvollen Befragungsprozess und kreierten in neu durchmischten Mitarbeiterteams eine gemeinsame Wohlfühlzone im Kälber-Iglu.

©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de
©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de

 

Bei Haus & Grund Kiel, einem Verein von Haus- und Wohnungseigentümern, machten Hanno Hart und Gabi Kob aus den Mitarbeiterinnen in der Empfangshalle eine Filmcrew, um den Teamgeist aufzufrischen und den Blick auf die eigene Arbeitswelt neu zu erfinden. In vier Monaten entwickelte und produzierte das Team eine hauseigene Serie.

 

©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de
©Volker Sponhlz,www.purefruit-magazin.de

Bei der Getreide AG Rendsburg, einem weltweit agierenden Agrarhandels-Unternehmen, fanden sich die Nachwuchsführungskräfte am Zeichentisch wieder. Dort entwarfen sie mit Tim Eckhorst und Gregor Hinz ein gemeinsames Bild ihres Unternehmens in Form einer Comic-Landkarte.
Die Illustrationen im Bericht von Birthe Dierks wurden von Volker Sponholz während der Veranstaltung „Halbzeit“ als Graphic Recording live gezeichnet.

Die wissenschaftliche Begleiterin, Dr. Anke Strauß vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erklärte, die Qualität der künstlerischen Interventionen liege darin, Menschen zu öffnen. Das bestätigten auch die teilnehmenden Unternehmen, sowohl die Kommunikation insgesamt als auch besonders konstruktive Kritik sind seit den Projekten verstärkt zu erleben. Dabei gab es anfangs überall etwas Skepsis gegenüber den Künstlern. Die Künstler haben es aber jeweils geschafft, diese Skepsis in eine positive Dynamik zu überführen.

In der nächsten Projektphase wird es darum gehen, die gewonnene Expertise zu dokumentieren und die Erfahrung in die nächsten Projekte einfließen zu lassen. Das Projekt, das noch bis Ende 2015 läuft, wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, dem Zukunftsprogramm Wirtschaft der EU, dem Bund und dem Land Schleswig-Holstein gefördert.

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Führen und Folgen: Was Manager vom Tanz lernen können I

Brigitte Biehl-Missal (University of Essex; BSP Business School Berlin Potsdam) hat gemeinsam mit Claus Springborg (Cranfield University und freiberuflicher Berater) Ende August in Kopenhagen bei der Konferenz „Art of Management and Organisation“ einen der thematischen Streams konzipiert und geleitet: „Dance, Choreography and Organisation“. Sie schildert aus ihrer persönlichen Perspektive in zwei Beiträgen die Erfahrungen der drei Tage und wie dies die Forschung und Praxis voranbringt.

©Brigitte Biehl-Missal
©Brigitte Biehl-Missal

 

Brigitte Biehl-Missal:

„Die Art of Management and Organisation Conference begrüßt alle zwei Jahre an verschiedenen Orten Wissenschaftler und Praktiker, die Kunst und Management zusammenbringen. Im September 2014 tagten wir in der Copenhagen Business School – ein erstklassiger Ort, da hier einst das erste universitäre „Center for Art and Leadership“ gegründet wurde. Hier finden Sie das detaillierte Programm

Diese Konferenz gibt es seit etwa 12 Jahren und sie hat das innovative Forschungsfeld „Kunst und Wirtschaft“ sowohl gefestigt als auch verbreitert. Was wir in der letzten Dekade erlebt haben war zunächst eine theoretische Ausarbeitung dieses Feldes, das sich beispielsweise an Kunst-Metaphern orientiert hat, um einen neuen Blick auf die Welt des Managements zu erschließen. Etwa hat uns die Analogie von „Unternehmen als Theater“ gezeigt, dass Menschen ihre Rollen auch in Firmen spielen, vor Kollegen, Kunden und den Vorgesetzen, dass Dienstleistungen und Erlebnisse zunächst inszeniert und dann verkauft werden. Unternehmen wurden als Orchester betrachtet und als Jazzbands, bei denen improvisiert und zusammengespielt werden muss.

2014 wurde Creativity and Design als Schwerpunkt gewählt. Damit standen Erfahrungen mit Kunstbasierten Initiativen für Innovation, Kreativität in Gruppen, Kunst in der Managementausbildung, Ästhetik in der Arbeitswelt, Kunst als Prozess sowie Tanz, Choreographie und Organisationen am Programm.

©Cleve Holtman/Krista Petäjäjärvi
©Cleve Holtman/Krista Petäjäjärvi

 

 

 

 

 

Als Auftakt zu Konferenzbeginn waren die TeilnehmerInnen zum Beispiel selbst Teil einer kunstbasierten Erfahrung. Die finnische Künstlerin Krista Petäjäjärvi verband die mehr als 100 Menschen mit einem Band, das sie dann in die Hand nahmen und sich im Netzwerk gemeinsam bewegten, ohne das Band zu zerreißen.

 

 

 

 

 

 

Vom Unternehmen als Jazzband ist es kein weiter Weg zur Tanz-Metapher, die wir in unserem Stream untersucht haben. Zur Relevanz des Themas ist zu sagen, dass sich diese Managementforschung zunehmend auf die „Ästhetik“, also die sinnliche Wahrnehmung von Organisationen konzentriert hat, um zu erklären, welche schwer fassbaren Faktoren Mitarbeiter und Organisationsmitglieder beeinflussen, motivieren und antreiben.

©Biehl-Missal und die Statue
©Biehl-Missal und die Statue

 

In diesem Kontext deckten die Teilnehmer unseres Streams zu „Dance, Movement and Organisation“ verschiedene Themen ab. Statt einer Aneinanderreihung von Vorträgen haben wir in jedem Block mit praktischen Bewegungsübungen begonnen, die zum Thema passten und dem Gesagten über die persönliche Erfahrung noch eine ästhetische Dimension hinzufügten. Durch die Übungen zu Contact Improvisation, gender-spezifischer Bewegung und Improvisation lernten wir uns auch besser kennen und hatten Spaß an Theorie und Praxis.

 

Was wir und die Konferenz-TeilnehmerInnen in den verschiedenen Workshops erlebt und erfahren haben, beschreibe ich im 2. Teil dieses Blog-Beitrags.“

 

 

 

 

 

 

 

Wir danken Frau Biehl-Missal für den Bericht und empfehlen für einen Überblick über das Thema ihr Buch „Wirtschaftsästhetik. Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“  , das in unserem Blog bereits rezensiert wurde.

Auch Antje Hinz meint auf ihrem Medienportal MassivKreativ! dass Unternehmer von Tänzern lernen können und verweist auf die beiden Berichte I und II in unserem Blog. Interessant finde ich die Verbindung zwischen den Fragen zum Tanz und den Fragen an den Unternehmer in seiner Rolle als Chef. Hier einige Beispiele:

Fragen an die Tänzer:
Welche Vorgaben werden auf dem Parkett gemacht? Wie führt ein Tänzer und in welcher Weise kann der andere Partner folgen? Wieviel Freiraum lässt man sich gegenseitig? Auf welche Art des Tanzens bzw. auf welchen Stil hat man sich zuvor geeinigt? Will man sich lieber klassisch routiniert in traditionellen Bewegungs- und Rollenmustern präsentieren oder neue experimentelle, ungewöhnliche Wege wagen? Welche Ausstrahlung hat das Paar auf dem Parkett?

Fragen an den Unternehmer:
Haben Sie Ihre Rolle als Chef fest definiert? Welches Selbstbild und welchen Führungsstil tragen Sie nach außen? Sehen Sie sich als Solo-Performer oder als Paartänzer bzw. Team-Player? Welchen Part gestehen Sie anderen zu? Lassen Sie auch „Kapriolen“ oder „Pirouetten“ zu? Welche Rolle spielt das Publikum? Hat es Einfluss darauf, wie sicher Sie sich bewegen? Wie wirken sich Umgebung, Raum und Zeit auf Ihre Präsentation aus?

In einer Künstlerischen Intervention können Unternehmen zum Beispiel mit einer Tänzerin, einem Tänzer arbeiten. Antje Hinz motiviert dazu: „Finden Sie in einem Bewegungsworkshop heraus, in welcher Rolle Sie oder Ihre Mitarbeiter sich wohl fühlen! In welchen Situationen wirken Sie entspannt und authentisch? Erleben Sie hautnah, warum Sie mit der einen oder anderen Entscheidung Bauchschmerzen hatten. Finden Sie heraus, wieviel Wissen, Technik und Handwerk für Sie wichtig ist und wieviel Intuition. Wieviel Spontaneität und Improvisation ertragen Sie und Ihre Mitarbeiter? Was könnte Sie zusätzlich inspirieren und motivieren?“

 

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Kunst irritiert – und wirkt!

„Künstlerische Irritationen in Unternehmen“ ist der Titel einer Publikation von Susanne Fenkart in der Zeitschrift momentum Vol. 3, No 2., nachzulesen unter

http://www.momentum-quarterly.org/index.php/momentum/article/view/80

Was mir besonders an dieser Arbeit gefällt ist

– Die gute Auswahl der drei Praxisbeispiele, die eine breite Palette von möglichen Kunst-Interventionen beschreiben. Einerseits zeigt Susanne Fenkart die Gemeinsamkeiten auf, gleichzeitig erstaunt gerade die völlig unterschiedliche Herangehensweise der KünstlerInnen und die Reaktion von Management und MitarbeiterInnen.

– Die Autorin stellt höchst spannende Fragen am Ende jeder Fallstudie, die dazu einladen, gleich selbst zu überlegen, wie man sich in einer solchen Situation verhalten würde.

– Die durchgängige Betrachtung des Themas Kunst und Organisationsentwicklung entsprechend den Prinzipien des Systemischen Management. Sie schreibt zum Beispiel, dass systemtheoretisch betrachtet Fortschritt durch Interventionen und Irritationen aus der Umwelt ausgelöst wird. Das sind die wesentlichen Elemente für Veränderungsprozesse und Weiterentwicklung in sozialen Systemen. Durch Irritation wird ein System gestört, auf etwas aufmerksam gemacht, angeregt. Die Kunst irritiert dadurch, dass sie nicht festlegt, wie sie die Realität beobachtet – kritisch, idealisierend, ironisch – ohne das Ziel gleich mit anzugeben. Kunst zeigt auf, dass mehr Kombinationen möglich sind als angenommen, dass alles auch anders gemacht werden könnte.

Damit erhöht sich die Chance, dass gewohnte Verhaltensweisen verändert werden, und zwar vom System selbst. Allerdings ist Widerstand unvermeidlich, denn die Systeme wehren sich zunächst gegen die Angriffe von außen. Fenkart zitiert den führenden systemischen Organisationsberater Fritz B. Simon (aus seinem Beitrag „Künstlerische Interventionen im wirtschaftlichen Kontext“ im Buch Oeconomenta):

„ Die Art des Wirksamwerdens, ohne dass die Wirkung vorhersehbar ist, wird als Irritation bezeichnet, das heißt, das Geschubstwerden wirkt auf das so behandelte System als „Störung“ oder „Anregung“ , auf die es seiner internen Strukturen gemäß reagiert. Auf diese Weise ist es in der Lage, aus Erfahrungen zu lernen und Strukturen wie Verhaltensschemata zu verändern.“

Susanne Fenkhart
Susanne Fenkart

Bereits 2011 sind mir die Arbeiten von Susanne Fenkart aufgefallen, als ich im Internet die Kurzbeschreibung ihrer Studie „Zum Verhältnis von Kunst und Wirtschaft“ fand. Seither sind wir in ständigem Mailkontakt, heuer im Mai haben wir uns dann endlich persönlich kennen gelernt. Neben dem Team um Ariane Berthoin Antal vom WZB Wissenschaftszentrum Berlin und unserem Team vom Institut für Kunst und Wirtschaft in Wien ist Susanne Fenkart eine der wenigen, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Kunst und Wirtschaft beschäftigen. Deshalb schätzen wir den Austausch mit ihr ganz besonders.

Susanne Fenkart schloss 2013 ein Diplomstudium der Kunstgeschichte und gleichzeitig ihr Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck ab. Für ihre Dissertation „Zum Verhältnis von Wirtschaft und Kunst“ führte sie 28 narrative Interviews mit Unternehmensvertretern und Bildenden Künstlern in Österreich, Deutschland, Italien und Liechtenstein. Die Arbeit wird im Herbst im Kulturverlag Kadmos erscheinen und ich werde natürlich das Buch hier im Blog besprechen. Anlässlich des Welttags der Wissenschaft am 10.11.2014 wird Frau Fenkart den Wissenschaftspreis des Landes Vorarlberg – Spezialpreis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses – im Landhaus Bregenz überreicht bekommen. Wir gratulieren!

Nun aber zu ihrer gerade erschienenen Arbeit „Künstlerische Irritation in Unternehmen“. Fenkart spannt den Bogen von der Kunst die immer schon gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme thematisiert hat über die Wirkung von Irritation auf den Fortschritt bis zu den Einsatzmöglichkeiten und der Wirkung künstlerischer Irritationen in Unternehmen.

Anhand von drei Beispielen zeigt sie dann die Vielfalt der Wirkungen auf. Eines dieser Praxisbeispiele, das Projekt „8 x 5 x 363 + 1“ der Künstlerin Raphaelle De Groots, kannte ich noch nicht und fand die Beschreibung so spannend, dass ich Frau Fenkart eingeladen habe, darüber einen Beitrag für diesen Blog zu schreiben. Sie werden die Geschichte über die Tuchfabrik Cittadellarte in Biella, Italien, also demnächst hier lesen können. Es geht um den Arbeitsalltag der MitarbeiterInnen, die durch punktuelle Handlungen der Künstlerin angeregt wurden, die eigene Arbeit zu reflektieren – eine sanfte Irritation der bestehenden Ordnung.

Die beiden anderen Beispiele können Sie sowohl in der Arbeit von Susanne Fenkart als auch in diesem Blog lesen – aus zwei Perspektiven, die einander ergänzen.

© Petri Virtanen Central Art Archives Helsinki
© Petri Virtanen Central Art Archives Helsinki

Da ist zunächst das umfassende unternehmerische Kunstengagement einer führenden Unternehmensberatung, der Droege Group in Düsseldorf, das seit rund 20 Jahren ein integraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist. Im Kunstkonzept von Droege wird davon ausgegangen, dass der Umgang mit Kunst zum Sehen anstiftet und damit einen Bewusstwerdungs-Prozess unterstützt.

Das dritte Fallbeispiel, „The Trainee“, ist wohl die eindeutigste „Irritation“ eines Systems. Oder wie würden Sie reagieren, wenn eine neue Praktikanten, die anfangs den Erwartungen gemäß gearbeitet hat, nun ruhig an ihrem Schreibtisch sitzt und offensichtlich NICHTS tut? Und wenn Sie auf Ihre Nachfrage antworten würde: „Ich denke nach“? Deloitte präsentierte das Projekt in zahlreichen Museen international und u.a. in seiner Lounge am Helsinki Vantaaa Airport.

Hier also nochmals die Einladung die Beispiele nachzulesen und der Link zur Arbeit von Susanne Fenkart:

http://www.momentum-quarterly.org/index.php/momentum/article/view/80

Und hier der Link zu den zwei Praxisbeispielen, die bereits in unserem Blog beschrieben wurden:

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Hybrid Plattform Berlin – Reflexionsraum für Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft

Vor kurzem war ich in Berlin, um mehr über die Hybrid Plattform zu erfahren, auf die ich durch Medienberichte aufmerksam wurde. Auf dem Weg von der U-Bahn zum Gesprächstermin ist mir die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Gebäude der Technischen Universität und der Universität der Künste gleich aufgefallen. Offensichtlich trug diese Nähe dazu bei, 2011 eine gemeinsame Arbeitsplattform auf dem Campus Charlottenburg zu gründen. Inzwischen hat diese transdisziplinäre Kooperation weitere Partner aus Wissenschaft, Kunst, der Wirtschaft und der Kreativwirtschaft angezogen und mehr als 30 Projekte verwirklicht.

Hybrid Talks ©Hybrid Plattform
Hybrid Talks ©Hybrid Plattform

Die beiden Projektkoordinatorinnen Kathrin Engler (UdK) und Claudia Müller (TU) schilderten mir die dynamische Entwicklung der Hybrid Plattform. Der Verbund einer künstlerisch-gestalterischen Universität, einer technisch-naturwissenschaftlichen Universität und Wirtschaftsunternehmen verschiedener Branchen und Größen ist einzigartig. Ausschlaggebend für den Erfolg ist, dass die ExpertInnen der verschiedenen Disziplinen von Anfang an gemeinsam arbeiten und nicht wie normalerweise üblich hintereinander. Fachübergreifendes Denken müssen viele erst lernen, der Lohn sind neue Freiräume, die unkonventionelle Ideen und Lösungen ermöglichen.
Zu den Projekten gleich ein Beispiel: Gute Software zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es Spaß macht, damit zu arbeiten. Intuitiv und nutzerfreundlich soll sie sein, ein Erfolgskriterium, das von Entwicklern noch kaum beachtet wird. Ziel des Projekts „UseTree“ ist es, die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer und mittlerer Software-Unternehmen in der Region Berlin-Brandenburg durch „Usability“ zu stärken. Die Hybrid-Plattform hat die Projektpartner zusammengeführt und die Projektkommunikation übernommen.

Landschaftschoreographie ©Matt Jessop
Landschaftschoreographie ©Matt Jessop

Das Projekt „Landschaftschoreografie“ verknüpft Landschaftsgestaltung mit Choreographie. Durch Körper- und Improvisationstechniken, Beobachten und spielerisches Gestalten werden der umgebende Raum und damit verbundene emotionale Aspekte erfahren und reflektiert. Choreographische Methoden arbeiten mit Rhythmen, Sequenzen und Wiederholungen, spielen mit Perspektivwechsel zwischen Akteur, Performer und Zuschauer und hinterfragen darin fixierte Rollenverständnisse. Dieses Projekt entwickelte Alternativen zur üblichen Top-Down-Konfliktmoderation mit dem Ziel eines Interessenausgleichs in der Landschafts- und Raumgestaltung. Es sensibilisiert für landschaftliche Veränderungsprozesse und trägt zur Vielfalt der Akteure innerhalb urbaner Entwicklungen bei.
Im Video über die Hybrid Plattform werden weitere drei Projekte beschrieben. Gleich das erste ist besonders interessant.

[vimeo http://vimeo.com/84672819]

 

Woran können Informatiker, Musikwissenschaftler, Akustiker, Designer, Komponisten und Interpreten gemeinsam arbeiten? Dieses multidisziplinäre Team hat sich als Ziel gesetzt, neue elektronische Musikinstrumente für zeitgenössische Musik zu entwickeln, und zwar solche, die nicht nach den strengen Kriterien von Technikern gebaut werden, sondern den Künstlern und Musikern Entfaltungsmöglichkeiten und Spielraum bieten.

Digitales Musikinstrument  © Alberto De Campo
Digitales Musikinstrument © Alberto De Campo

 

Der Musiker und Komponist Prof. Dr. Alberto de Campo bringt die Chance, die in diesem Projekt liegt auf den Punkt:
Im besten Fall finden wir in diesem Suchprozess andere Dinge als die, nach denen wir ursprünglich gesucht haben.
Wünscht sich das nicht jedes Unternehmen, das nach Innovationen, nach dem wirklich Neuen forscht?

 

Die Hybrid Plattform Berlin bietet einen einzigartigen Freiraum für Fragen, Ideen und Experimente, denn Freiraum ist essentiell für kreative Prozesse und zukunftsträchtige Innovationen. Das Ziel der Hybrid Plattform für die Zukunft: Die erste Adresse für Fragen sein, die andere nicht beantworten können!

Infos: www.hybrid-plattform.org

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Raumgeboren: Kunst findet nicht nur im Museum statt

Wiesmüller
Erich Wiesmüller

Besuch im Atelier des Bildenden Künstlers Erich Wiesmüller

Einen Künstler im seinem Atelier zu besuchen ist ein besonderes Erlebnis. Im Rahmen des Atelierzyklus von Karin Kirste hatte ich bereits im März 2012 in illustrer Runde Gelegenheit das Atelier des Künstlers Erich Wiesmüller zu erforschen. Jeder Raum bot neue Möglichkeiten neugierig hinter die Kulissen zu schauen: Werke mitten im Arbeitsprozess, hunderte seiner berühmten Tagescollagen, minutiöse Klebebilder, Übermalungen, dann das Archiv an Materialien in Schachteln bis zur Decke, penibel geordnet, große und winzige Räume für Gespräche und die Bar für Kaffee und Dialog.

Für das Blog-Interview traf ich Erich Wiesmüller im November 2013 wieder in seinem Atelier – wieder mit völlig neuen Eindrücken und aktuellen Informationen. Gerade war sein „auftragsbuch“ in Berlin erschienen, ein „Kunstprojekt für raumgestalterisches Schaffen“. Es ist kein Präsentationskatalog sondern ein Kunstbuch. Jedes Exemplar ein Unikat, weil im Fall eines Auftrags darin das eigene Projekt dokumentiert wird. Sie können in diesem „auftragsbuch“  blättern, finden darin Ausschnitte aus seinen Arbeiten und spannende Texte. Um seine Arbeitsweise bei küstlerischen Interventionen zu verstehen, empfehle ich die Seite „Der Künstler greift ein“.

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Guerilla-Marketing © Erich Wiesmüller

Sind Sie auf der letzten Seite angelangt? Dann staunen Sie vielleicht, dass aus dem „auftragsbuch“ ein „wanderbuch“ wird.  Es startet nach dem System des Guerilla-Marketing im kunstaffinen Bereich, wird auf- und be-griffen und wandert und wandert, um letztlich bei einem Unternehmen mit der Tür ins Haus zu fallen und zu einer Intervention zu führen. Was braucht es dazu seitens des Unternehmens? Eine entspannte Atmosphäre, also keine gröberen Probleme, damit eine solche Intervention, die einen Bruch mit dem Gewohnten bedeutet, möglich ist. Damit die Menschen in der Organisation sich mit dem Werk auseinandersetzen und reflektieren können, welche Impulse, welche Irritation es auslöst, welchen Sinn es erst dadurch macht. Und möglichst leere Wände. Denn es sind Wandarbeiten, die in ganz engem Kontakt mit dem Unternehmen entstehen.

Inner.Circle © Erich Wiesmüller
Inner.Circle © Erich Wiesmüller

Ein Beispiel dafür ist das Projekt  Inner.Circle  für das Wiener Büro der internationalen Beratung Inner Circle Consultants, die im Bereich Executive Search, Board Consulting, Audits und Coaching tätig ist. Wenn Sie das Kunstwerk, das für diese Organisation von Erich Wiesmüller geschaffen wurde, nah heranzoomen und die Headlines und Satzfragmente lesen, dann merken Sie, dass die Branchenkompetenz des Unternehmens im Finanzbereich liegt.

„Ich habe dem Künstler völlig frei Hand gelassen und es war spannend zu sehen, wie er auf grund seiner Wahrnehmung unsere Organisation interpretiert. Was entstanden ist, das ist authentisch, das spürt man. Wiesmüller hat nicht nur unser Tätigkeitsspektrum als internationale Beratungsorganisation sondern speziell die Stimmung hier in unserem Wiener Büro erspürt und wiedergegeben.“ sagt Susanne Bixner, Partnerin und Leiterin des Wiener Büros von Inner Circle Consultants. „Das Feedback unserer Kunden ist sehr positiv. Sie sind überrascht und beeindruckt, wie unsere Art zu arbeiten einen künstlerischen Ausdruck findet, zum Beispiel dass es uns wichtig ist über den Tellerrand zu schauen. Das Kunstwerk zieht die Aufmerksamkeit auf sich, man findet immer wieder etwas Neues in der Vielfalt der Schnipsel aus Texten, Köpfen, Geldscheinen. Auch ich und mein Team haben noch nicht alles gesehen was dem Künstler aufgefallen ist. So sind wir motiviert immer wieder Details zu entdecken und uns darüber auszutauschen.“

Wertschätzung für die Mitarbeiter, Ressourcen und der Umwelt mit Achtsamkeit begegnen, sind dem Künstler wichtig. Er erlebt oft Mitarbeiter, die „durchgebraint“ sind, die ihre eigenen Stärken nicht mehr sehen, das eigene Potential nicht ausschöpfen. Deshalb lädt er sie ein darauf zu schauen, was in ihnen schon angelegt ist, ihre ureigensten Stärken aber auch Schwächen wieder zu entdecken  – und damit bewusst umzugehen.

Nach einem unserer Workshops für KünstlerInnen wurde Erich Wiesmüller Mitglied des KünstlerInnen-Pools des Instituts für Kunst und Wirtschaft. Im „auftragsbuch“ findet sich übrigens u.a. ein Zitat aus diesem Workshop: „Künstlerinnen und Künstler verfügen über besonders ausgeprägte Fähigkeiten der Wahrnehmung, Interpretation und Transformation. Der Künstler bringt seine Sichtweise ein, stellt in Frage, abstrahiert, verdichtet, löst und verknüpft neu.“ So entsteht eine Kunst-Intervention, die auf- und anregt, die stört und provoziert. Genau das ist ihr Zweck.

Informationen: www.raumgeboren.at

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Businesstheater bewegt dich!

Wenn MitarbeiterInnen auf der Bühne stehen und den eigenen beruflichen Alltag in Szene setzen, dann kommt vieles in Bewegung – nicht nur die Körper, sondern vor allem die inneren Einstellungen zu brennenden Themen. Aktuell geht es meist um die Verbesserung interner Prozesse, die Einführung neuer Produkte, Entwicklung von Leitbildern, Veränderungen verschiedenster Art, aber auch Mobbing und Burnout.

Seit 15 Jahren hält Wolfgang Kainz, Gründer und Leiter von Business Theater Unternehmen auf deren Wunsch einen Spiegel vor: ungeschminkt aber immer mit einem konstruktiven Lösungsansatz. Und der kommt von den MitarbeiterInnen selbst, die sowohl die Problemsituation erarbeiten als auch mögliche Veränderungen szenisch darstellen.

Mitarbeitergespräch Erste Bank © Foto Business Theater
Mitarbeitergespräch Erste Bank © Foto Business Theater

Vom Erlebnis zum Ergebnis

Wolfgang Kainz arbeitet wann immer es möglich ist mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – auch mit den Führungskräften (!) – des jeweiligen Unternehmens. Denn es macht einen Unterschied, ob man Zuschauer einer Szene ist, oder sie mit allen Sinnen erlebt, bei den Proben und als Mitwirkende/r in der Aufführung. Aber auch die Zuschauer werden einbezogen. Bei der Methode „Forumtheater“ kann jederzeit unterbrochen und dem Spieler auf der Bühne ein anderes Verhalten oder eine andere Aussage vorgeschlagen werden.

Inge Homolka vom Kommunikationsteam des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, einem der Stammkunden von BTW: „Aus meiner Sicht lernt man mit solchen interaktiven Übungen wesentlich mehr für den beruflichen Alltag als dies bei einem Vortrag möglich wäre.“

Vertrauensbasis entscheidend

Jedes Projekt beginnt mit einem offenen Gespräch mit dem Auftraggeber, möglichst der obersten Führungskraft des Fachbereichs oder dem Vorstand des Unternehmens. „Im Briefing ist es wichtig, eine persönliche Beziehung und eine Vertrauensbasis aufzubauen“, so Wolfgang Kainz. „Der Erfolg stellt sich garantiert ein, wenn Unternehmen und das Business Theater-Team gemeinsam eine Expedition, eine Entdeckungsreise unternehmen. Wie der Weg ausschauen wird ist offen, denn es gibt keine vorgefertigte Vorgangsweise. Aber es gibt eine Einschätzung wohin die Reise gehen soll und mit welcher Kunstform.“  Ob mit Theater, Musik, Film, Tanz ist eine Bauchentscheidung, die Wolfgang Kainz auf Grund seiner Erfahrung trifft.

Dabei spielt sein Gefühl für die Menschen in dieser Organisation, die Kultur des Unternehmens, die Atmosphäre eine große Rolle. Was kann man dem Unternehmen zumuten? Welche Grenzen kann man ausloten? Wie weit kann man sich hinauslehnen ohne jemanden zu überfordern? Wer sich darauf einlässt, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, dem eröffnen sich neue Perspektiven. Eine Prise Humor entschärft dabei den kritischen Blick.

Fa.Palfinger © Foto Business Theater
Fa.Palfinger © Foto Business Theater

Im Fall der Hypo NÖ hat der externe Unternehmensberater Thomas Baumgartner (Benedicon) vom Finanzvorstand  Mag. Nikolai de Arnoldi erfahren, dass ein internes Projekt geplant ist. Ziel war, die Prozessabläufe der verschiedenen Finanztransaktionen transparent zu machen und die Kommunikation der MitarbeiterInnen prozessorientiert zu optimieren. Baumgartner schlug die Methode des Business Theaters vor. Theater wurde somit die ideale „Plattform“ für erlebnisorientierte Kommunikation. 120 MitarbeiterInnen wurden aktiv einbezogen, unterstützt von zwei Schauspielern und Wolfgang Kainz als Regisseur und Moderator.

Die Geschäftsleitung der Firma Hilti AG wollte von den MitarbeiterInnen wissen, was für sie der USP des Unternehmens ist, also aus der Sicht eines Mitarbeiters. Kainz hatte die Idee, den Mitarbeitern eine Kamera in die Hand zu geben, weiters Zugang zu einem Kostümfundus und zu sämtlichen Geräten von Hilti. Die Aufgabe war, einen 30-Sekunden-Werbespot zum Thema  „Was macht Hilti aus?“ zu drehen. Die Aufnahmen wurden dann von professionellen Cuttern zusammengeschnitten und mit Musik sowie Vor- und Nachspann versehen. Höhepunkt der Firmenveranstaltung war dann die abendliche Hollywood-Gala. Die Werbespots wurden vorgeführt und die Besten ausgezeichnet.

Wie geht es weiter?

So ist Bewegung in die Organisation gekommen. Wesentlich ist nun, diese Energie zu nutzen und sofort die nächsten Schritte festzulegen. Der Vorstand bzw. die Geschäftsleitung wird daher gebrieft, auf jeden Fall am Ende der Veranstaltung mit den MitarbeiterInnen zu besprechen wie es weitergehen wird und wer sich darum kümmert. Meist sind es die jeweiligen Führungskräfte oder der HR-Bereich. Darüber hinaus gibt es immer das Angebot für eine Nachbesprechung. Obwohl kostenlos findet sie oft aus „Zeitgründen“ nicht statt. Dabei zählt Reflexionsfähigkeit zu den wichtigen Qualitäten von Führungskräften. Feedback geben und annehmen – ein Thema für das nächste Businessstheater?

Weitere Infos: www.businesstheater.at

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